Christian von Schassen
Christian von Schassen Director Enabling Services
25. September 2018 in

Deutsch Insider

Die 10 häufigsten Probleme und Lösungen im E-Commerce-Projektmanagement (Teil 2)

Nach den fünf Klassikern an bekannten Patzern und Schwachstellen im E-Commerce-Projektmanagement, folgen nun die fünf Aspekte, die beim Großteil der Unternehmen komplett übersehen werden. Risiken und Nebenwirkungen beinhalten neben Kopfschmerzen für die im Projekt Involvierten, in der Regel auch eine Stange Geld für das Unternehmen.

 

Was wird oft nicht so stark angegangen

6. Denn sie wissen nicht, was sie tun…

Besonders Mittelständler oder B2B-Unternehmen haben oft spezialisierte Teams, die ihre eigenen Abläufe managen, jedoch kein Projektmanagement-Team, welches bei der Aufgabenbewältigung, Timeline-und Budgetmanagement unterstützt. Ebenso häufig fehlen Product Owner, die eine fachliche Verantwortung für die Projekte tragen. Meist werden dann Personen aus anderen Abteilungen mit der Projektleitung beauftragt. Besonders häufig trifft das die IT-Abteilung, denn das ist bei Softwareentwicklung schließlich naheliegend.
Was viele ignorieren: das Projektmanagement ist eine eigene Fachdisziplin. Die Fähigkeiten dafür müssen erlernt werden. Es überrascht daher nicht, dass diese Art von Unternehmen oft hilflos sind, wenn es plötzlich größere Projekte, wie einen Re-Launch oder Systemwechsel gibt, die ein umfassenderes Management erfordern.

Dabei kann die Lösung so einfach sein. Unterstützung von außen kann entweder operativ oder initial strategisch Hilfe bieten. Denn besonders was die Steuerung von Teams und Definition von Anforderungen betrifft, können Experten Wissen teilen, was vielen Unternehmen fehlt.

7. Standardisierung als Feind der Kundenorientierung

Der Kunde ist König… oder wie war das nochmal? Was als allgemein bekannt und völlig selbstverständlich gilt, wird trotzdem regelmäßig missachtet. Funktionen und Prozesse werden so häufig nach den eigenen Bedürfnissen gestaltet, statt die des Kunden im Blick oder gar verstanden zu haben.

Glücklicherweise erleben wir bei Spryker immer mehr Unternehmen, die ihre - häufig mit ihren Kunden erarbeiteten - Ideen zunächst verproben wollen. Sie gehen iterativ vor: erste funktionale Versionen werden veröffentlicht, Informationen über das Kundenverhalten werden gesammelt, und angepasste Varianten werden entwickelt. So tastet man sich als Anbieter immer weiter die Bedürfnisse des Kunden heran.

Dazu passt allerdings eines nicht: die Denke von Standardsoftware-Anbietern. Sie bieten von Haus aus viel Funktionalität, die jedoch starker Standardisierung unterliegt. Was für den einen Händler gut ist, kann doch für den anderen nicht schlecht sein, oder?

Doch wie kann man sich als Anbieter dann noch von der Konkurrenz abgrenzen? Wie kann man das beschriebene iterative Vorgehen, und so die immer gezieltere Ansprache der Kunden durchführen - wenn doch die gewählte Software darauf setzt, das man Standardfunktionen out-of-the-box verwendet? Gleichmäßigkeit wird von Kunden nicht belohnt. Sie wirkt beliebig und langweilig. Konsequenterweise wendet sich der Kunde Konkurrenten zu, die seine Bedürfnisse besser erfüllen.

Viele Unternehmen setzen so auf’s falsche Pferd, bevor Projekte überhaupt angefangen haben. Was dann folgt ist tragisch: Mit hohem Aufwand werden Standardfunktionen entfernt, und durch eigene Funktionalität ersetzt. Der vermeintliche Vorteil von Standard-Software wird so ins Gegenteil verkehrt: vorhandene Funktionalität spart kein Geld, sondern vernichtet es.

Anstatt kundenseitige Prozesse an Standardsoftware anzupassen, sollten Sie daher mit dem Kunden beginnen und kundenorientierte Anforderungen und Prozesse als Basis für die Softwareauswahl definieren. So erzeugen Sie direkt von Projektstart an Kundennutzen.

8. Fehlender Laserfokus

Dieses Problem kennen wir alle. Man plant die Woche, konzentriert sich darauf, seine To-Dos zu priorisieren und abzuhaken und Zack kommt etwas dazwischen: ein Vorfall im Produktivbetrieb, ein plötzliches Anliegen von Kollegen oder ein Personalausfall, der die Arbeitsmenge auf einmal verdoppelt. Im schlimmsten Fall führen diese “Nebenbei-Projekte” dazu, dass nichts richtig gemacht wird.

Obwohl dies so schädlich für Qualität und Mitarbeitermotivation ist, drücken Firmen in der Regel beide Augen zu. Verwandeln sich diese Ablenkungen in ständige Überlastung, äußert sich der Zustand schnell in Qualitätseinbußen die hohe Kosten mit sich bringen können. Noch schlimmer: Wenn der Product-Owner in dieser Weise von seiner eigentlichen Aufgabe - nämlich der Beschreibung von Anforderungen - abgehalten wird, dann leidet die Produktivität des ganzen Projektteams.

Wichtig: auf Laserfokus bestehen, Ablenkung vermeiden! Messt die Velocity des Teams und sprecht regelmäßig mit den Teammitgliedern. Achtet auf deren Zwischentöne und beseitigt rigoros jede Art von Nebenbei-Tätigkeit. Wenn Ihr es Euch leisten könnt: Nehmt die maßgeblich beteiligten Personen aus dem Tagesgeschäft. Ihr werdet durch höhere Qualität und Termintreue belohnt.

9. Starkes Silodenken

Das gilt sowohl für Abteilungen, die sich nur auf die eigenen KPIs konzentrieren, als auch für eine zentral gesteuerte Priorisierung von Ressourcen, die es schwierig macht, abteilungsübergreifenden Input zeitnah zur Verfügung stellen zu können. Diese Art von Silodenken geht oft einher mit einer fehlenden Unterstützung des Managements. Das kann sich darin äußern, dass Vorgaben oder Impulse von oben gesetzt, jedoch keine Unterstützung bei operativen Hindernissen und Problemen geboten werden.

Der Haken an der Sache: ohne Unterstützung von oben lässt sich dieses Manko tatsächlich selten beheben, denn nur eine zielgerichtete Denkweise, die sich auf das Produkt als Ganzes und nicht einzelne Teilziele konzentriert, kann hier ein Umdenken herbeiführen. Ständige Kommunikation ist dafür das A und O.

Wie lässt sich das mittlere Management überzeugen? Ein konstruktives Teilen von Wissen und Ressourcen führt in der Regel schnell zu stärkerer Umsetzungsfähigkeit, das heißt man kommt schneller voran und verbessert Output-Qualität maßgeblich.

10. No risk (management), no fun

Schließen wir den Kreis mit einem Rückblick auf den ersten Teil dieser Liste: Durch Projekte soll etwas verändert werden. Projekte sind damit quasi per Definition risikobehaftet. Mit entsprechendem Handwerkszeug und erster Erfahrung können auch juniore Projektmanager Verantwortung übernehmen - solange alles gut läuft. Was kann jedoch alles passieren und wie begegne ich dem, wenn Probleme auftreten? Nicht selten mündet ein unvorbereitetes Worst-Case-Szenario in falschen Entscheidungen, die unter dem einen oder anderen Schweißausbruch gefällt werden und noch größeren Schaden anrichten, als man es sich jemals ausgemalt hätte – wenn man es denn vorher getan hätte.

Ich sage: “Risikomanagement ist Projektmanagement für Erwachsene.”

Verankert konsequentes Risikomanagement in Ihren Projektalltag! Es ist eigentlich sehr einfach: Beratet Euch mit erfahrenen Kollegen aus den verschiedenen Fachabteilungen und überlegen gemeinsam, welche Fallstricke möglich sind - inklusive der Worst-Case-Szenarien.

Mit einer Formel für die Eintrittswahrscheinlichkeit und die Auswirkungen lässt sich relativ schnell bestimmen, was brennen könnte und an welche Szenarien man keinen Schlaf verlieren muss. Dazu definiert man für beide jeweils einen Wert zwischen eins und zehn – 10 ist am höchsten – und multipliziert beide Faktoren miteinander, so dass sich ein Wert zwischen eins und 100 ergibt. Alle Faktoren mit über 50 Punkten, sollte man sich unbedingt genauer anschauen. Gleiches gilt für Szenarien mit einer hohen Eintrittswahrscheinlichkeit. Wurden für diese Szenarien mögliche Lösungswege aufgestellt und kommuniziert, könnt Ihr den Projektrisiken viel entspannter entgegen treten.

 

Ich wünsche Euch erfolgreiche Projekte!

Habt Ihr noch mehr Baustellen im Projektmanagement entdeckt, die man ganz einfach lösen könnte - oder habt Ihr Fragen? Lasst es uns wissen! Projects.with@spryker.com

 


 

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